Echtzeit-Journalismus und Real-Time-PR

Mit fortschreitender Ausbreitung des Internets und dessen Integration in den Alltag veränderte sich schon in den 90er Jahren das Angebot der Informationsquellen. Heute läuft die Nachrichtenverteilung zum Teil schon an den klassischen Medien vorbei. Wenn es in Blogs und Foren rumort, kann das auch für Konzerne gefährlich werden.

Derzeit erleben die Begriffe „Bürgerjournalismus“ oder „User Generated Content“ eine neue Blüte. Um in Zeiten schrumpfender Redaktionen einen einfacheren Zugang zu dem von „Bürgerjournalisten“ produzierten Videomaterial zu verschaffen, gibt es jetzt zum Beispiel einen neuen Service namens „YouTube direct„.

Läuten diese Entwicklungen das Ende des Profi-Journalismus ein? – Nach meiner Überzeugung: Nein! Und dafür gibt es viele gute Gründe. Einen davon lieferte unlängst Stern-Vizechef Hans-Ulrich Jörges auf dem Jahrestreffen des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger:

„Schicken Sie tausend User los, und Sie werden trotzdem nicht herauskriegen, was in der Vorstandsetage von Lehman Brothers los war, als die Finanzkrise ausbrach. Dafür braucht es Journalisten.“

Trotzdem wächst durch die Einbindung der Internetnutzer die Fülle von Bürger-Autoren rasant an. Das sollte nicht ignoriert werden. Es ist zugleich die große Herausforderung für die PR von Unternehmen, Institutionen und Personen: Sie werden Echtzeit-PR und echten Dialog lernen und in seismografische Instrumente investieren müssen, in Online-Monitoring-Systeme etwa, die stundenaktuell auswerten, welche Diskurse über spezielle Themen laufen und die deren Tonalität einschätzen. Die Fähigkeit, schnell auf aktuelle Diskurse zu reagieren, macht Organisationen und Personen für ihre Zielgruppen – und für Profi-Journalisten wie Bürger-Journalisten – höchst relevant. Es stellt sich nicht die Frage, wie lange beispielsweise die Mini-Botschaften von Twitter durchs Netz schwirren werden. Der Handlungsbedarf ergibt sich aus dem Hier und Jetzt. Wer sich bereits mit Web 2.0-Themen befasst, sollte sich zudem an den Gedanken gewöhnen, dass die sozialen Netze keine dunkle Bedrohung für Unternehmen sein müssen – sondern eine Bereicherung sein können.

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