Litigation-PR? – Litigation-PR!

Was ist denn „Litigation-PR“ nun schon wieder für ein Begriff?

Der Begriff setzt sich zusammen aus dem englischen Begriff Litigation und der Abkürzung des Begriffes Public Relations. PR-Berater Stephan Holzinger, der mit seinem Co-Autor Uwe Wolff das Buch Im Namen der Öffentlichkeit herausgebracht hat, beschreibt diese Kommunikations-Disziplin wie folgt: „Litigation-PR ist – verkürzt gesagt – das strategische Kommunikationsmanagement während jeglicher Art von zivil- oder strafrechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Ziel, das Ergebnis zu beeinflussen und die persönlichen oder wirtschaftlichen Interessen, insbesondere jedoch die Reputation des Mandanten, nachhaltig und effektiv zu schützen.“ Ein anderer PR-Berater, Frank Wilmes, definiert Litigation-PR schlicht als „Krisen-PR in rechtlichen Auseinandersetzungen“. Für den Rechtsanwalt Dr. Gerald Neben, kümmern sich Litigation PR-Experten darum, „Glaubwürdigkeitsverlust zu vermeiden und den daraus resultierenden Schaden zu begrenzen.“

Fakt ist: Litigation-PR ist ein hochspezieller Zweig der Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit/PR). Sie hat ihren Ursprung in den USA und wurde aus der Erkenntnis heraus entwickelt, dass herkömmliche PR-Techniken – auch die der Krisenkommunikation – im Verlaufe einer juristischen Auseinandersetzung nicht das gewünschte Ergebnis liefern, schon gar nicht in einer extrem medienzentrierten Welt. Ich selbst halte dabei den Aspekt für äußerst wichtig, den Mandanten vor Imageschäden und finanziellen Verlusten zu bewahren, die mit einer juristischen Auseinandersetzung einhergehen können. Selbst wenn der Mandant die juristische Auseinandersetzung im Gerichtssaal gewonnen hat, so kann er gleichzeitig im Gerichtssaal der Öffentlichkeit eine empfindliche Niederlage einstecken mit teilweise verheerenden Folgen für das Unternehmen oder für dessen Manager. Gerade börsennotierte Unternehmen reagieren auf eine ‚Niederlage‘ in der Öffentlichkeit sehr empfindlich: Der Aktienkurs des Unternehmens sackt ab, das Kundenvertrauen sowie das Vertrauen der Geschäftspartner in das Unternehmen und in seine Produkte schwindet.

Nahrungsmittelhersteller, Banken, Fluglinien, Kliniken, Automobilproduzenten und viele andere Industriezweige sind auf das Vertrauen ihrer Kunden angewiesen, das leicht durch eine juristische Attacke erschüttert werden kann. Im Bereich Kapitalanlage, Produkthaftung, im Umweltbereich, bei arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzungen, aber auch in nationalen und transnationalen Kartellfällen (EU) kann die Litigation-PR mit der juristischen Strategie zu einer gewaltigen Kraft verschmelzen.

PR-Kollege Jens Nordlohne berät Unternehmen, Verbände und Personen, wenn es um Reputation, Corporate Social Responsibility und den Umgang mit öffentlichkeitskritischen Situationen geht. Er befürchtet in seinem lesenswerten Blog, dass in Zukunft viele klassische PRAgenturen auf den Zug der „LitigationPR“ aufspringen und diese hoch diffizile Beratung mit in ihr Portfolio aufnehmen werden. „Aber nur von der PR-Seite die Sache anzugehen ist genauso zum Scheitern verurteilt, wie der Glaube der Advokaten, mit rein juristischer Argumentation Kommunikationshoheit zu erlangen“, schreibt er treffend. „Wer nicht auf beiden Seiten firm ist, sollte die Finger von Litigation Kommunikation lassen. Mit anderen Worten: Litigation-PR in der Hand von Nichtkönnern ist wie die Rasierklinge in der Hand von Affen.

Literatur

Fitzpatrick, K. (1996). Practice management: The court of public opinion. Texas Lawyer, P.30.

Gibson, D. C. (1998). Litigation public relations: Fundamental assumption. Public Relations Quarterly, 43, 19-23.

Gostomzyk, T. (2008). Anwälte wissen, wie Sie Prozesse gewinnen – und wie gewinnt der Mandant die öffentliche Meinung?, AnwBl. 8 + 9/2008, 587-588.

Haggerty, J. F. (2003). In the court of public opinion: Winning your case with public relations. Hoboken, NJ: Wiley.

Hantler, S. B., Schwartz, V. E., & Goldberg, P.S. (2004). Extending the privilege to litigation communication specialties in the age of trail by media. Communication Law Conspectus, 13, 7-34.

Haywood, R. (2002). Managing your reputation: How to plan public relations to build and protect the organization’s most powerful asset (2nd ed.). London: Hogan Page.

Holzinger S., Wolff, U. (2009): Im Namen der Öffentlichkeit – Litigation-PR als strategisches Instrument bei Auseinandersetzungen. Gabler-Verlag, Wiesbaden ISBN 978-3-8349-0839-1

Reber, B. H., Gower, K.K., & Robinson, J. A. (2006). The Internet and litigation public relations. Journal of Public Relations Research, 18(1), 23-44.

Schweitzer, M. L. (2003). A matter of judgment. New York Law Journal, p. 26.

Link

FAZ: Die Gesetze der Medien gelten auch für Anwälte   

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