„Tue Gutes und rede darüber…“

Zedwitz-arnim

Wenn es um Public Relations geht, beschränkt sich das Wissen der Allgemeinheit zumeist auf alte Wahlsprüche wie „Klappern gehört zum Handwerk„oder  „Tue Gutes und rede darüber„. Wer diese Sprüche geprägt haben könnte, ist selbst manchen PR-Experten kaum bekannt.

Tu Gutes und rede darüber“ ist der Titel des fast 50 Jahre alten Buches von Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim. Der Buchtitel ist innerhalb eines halben Jahrhunderts zum geflügelten Wort für Public Relations geworden. Das Buch, das 1961 zum ersten Mal erschienen ist und mehrere Auflagen erfuhr, handelt von Vertrauenswerbung und innerorganisatorischen Anforderungen, die auch im 21. Jahrhundert nicht optimal erfüllt sind, wie Studien leider immer noch ergeben. Von PR 2.0 konnte der Graf natürlich noch nichts ahnen. Auf jeden Fall ist sein Buch ein Beitrag zur Geschichte der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland.

Tue Gutes und rede darüber„: Der alte Wahlspruch ist noch immer weit verbreitet, ganz gleich ob es um die Themen „Ehrenamt„, „Selbstvermarktung“ oder „gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit“ geht. Die Financial Times Deutschland hat sogar eine Serie „Tue Gutes und rede drüber“ ins Leben gerufen. Noch 2002 entschied sich ein Autor, sein Buch über NPO-PR so zu nennen (Walter Fischer: Tue Gutes und rede darüber. Erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit für Non-Profit-Organisationen. Zürich: Orell Füssli Verlag).

Gerade in Zeiten von Social Media, wo Varianten wie „Tue Gutes und lass alle daran teilhaben“ oder „Tue Gutes und stelle es zur Diskussion“ sicher passendere Maximen sind, gibt es kritische Aussagen wie  „Du sollst nichts Gutes tun, sondern Gutes bewirken“ oder „Gut gemeint ist nicht unbedingt gut gemacht.“ Besonders vor einem Umkehrschluss wie „Tue Schlechtes und kehr es unter den Teppich“ sei an dieser Stelle gewarnt. Mitarbeiter, Konsumenten, Lieferanten und Kunden können wohl am besten beurteilen, ob Maßnahmen auch ernst gemeint sind oder nur heiße Luft verbreitet wird.

Damit wären wir bei der Corporate Social Responsibility (CSR). Sie ist ein Beleg für die Aktualität des alten Wahlspruchs. Mit CSR streben Unternehmen schließlich seit Jahren an, ihr Image bei Kunden, Mitarbeitern, Marktpartnern, Medien, NGOs oder Politikern zu verbessern. Sie versuchen unternehmerisches Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette nachhaltig neu auszurichten, bekennen sich zum Umweltschutz, fördern Bildung und Kultur oder engagieren sich für mitarbeiterorientierte, familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Gerade hier liegt die Bewährungsprobe für den alten Wahlspruch, da freiwilliges Engagement, gepaart mit dem Gang an die Öffentlichkeit immer mit einem hohen Maß an Ernsthaftigkeit und Professionalität verfolgt werden muss.

Dessen ungeachtet, scheint Georg-Volkmar Graf Zedtwitz-Arnim gar nicht der Urheber des Zitats zu sein. Manche führen es auf den deutschen Politiker Walter Fisch (1910-1966) zurück. Der Graf selbst gibt in seinem Buch (1961: 21) an, der Spruch sei aus den USA, „dem Mutterland der Public Relations“.

Ach ja, und woher stammt nun das ebenfalls gerne verwendete Zitat „Klappern gehört zum Handwerk“? Dieses kommt wie der Spruch „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ aus dem Mittelalter: Angeblich machten die Handwerker damals mit einer Klapper aus Holz Lärm und priesen laut ihre handwerklichen Fähigkeiten an. 

 

 

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6 Gedanken zu “„Tue Gutes und rede darüber…“

  1. Auf den ersten Blick will das nicht recht zusammen gehen: Degen, Maschinenpistole, Rousseau, Voltaire und PR… Ich kenne dieses Buch nicht. Hast du es gelesen?

  2. Ach Gott – ist das schon lange her! Der Herr Graf war – scheint’s – ein Jagdflieger aus dem Zweiten Weltkrieg. Jedenfalls schrieb er dort im sch??nsten Kasinoton, dass man die PR wie solch ein Jagdflieger betreiben m??sse: Man strecke die Hand aus dem Cockpit – w??lbt sie sich im Gegenwind zur BH-Gr????e 6, dann m??sse man schnell und intuitiv handeln, wie es eben nur M??nner der Tat an ihren kommunikativen Steuerkn??ppeln k??nnten, um den Feind – rattatatat! – vom Himmel zu holen. Dann aber seien irgendwann diese ‚Rechenschieber-Menschen‘ gekommen, die die zuvor freie PR, die vor allem auf Vitamin B, Vertrauen und gleicher gesellschaftlicher Zugeh??rigkeit beruhte, unter Kuratel und Leistungs- und Wirkungsnachweis stellten – und ab diesem Zeitpunkt kam der Graf mit der Welt wohl nicht mehr recht klar. Hieran jedenfalls schlie??t sich eine w??ste Polemik gegen 68er, Haschpropheten, Leistungsverweigerer usw. an. Zu dem Zeitpunkt hatte unser Milit??rknopf, als Sprecher damals der Elektrizit??tsindustrie, wohl Bekanntschaft mit den Gr??nen und mit der Anti-AKW-Bewegung gemacht. Was ihn begreiflicherweise s??uerlich machte. Was aber Veteranen wie Rousseau und Voltaire mit all diesem emotional fundierten Geb??lke zu tun hatten – ja, was wei?? ich! Er jedenfalls wusste es auch nicht – er hatte die Namen wohl mal irgendwo geh??rt. Kurzum: Es war alles Informations- und Kommunikationstheorie aus der Steinzeit – also dem Behaviourismus, den er auch noch auf denkbar simpelste Weise verstand. Und das heute obsolete Sender-Empf??nger-Modell funktionierte noch ??hnlich wie Befehl und Gehorsam beim Milit??r. Oeckl war ??brigens ??hnlich, nur gesitteter.N??heres findest du bei ‚Klaus Jarchow: Wirklichkeiten, Wahrheiten, Wahrnehmungen. Eine PR-Theorie auf systemtheoretischer Basis‘. Oder so ??hnlich … das war ??brigens ich damals, ganz ohne Pseudo.

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