Die Wahrheit übers Schwindeln

L??gen haben kurze Beine. Wenn dieser Kindheitsspruch stimmen w??rde, liefen wir auf Stummelbeinen durch die Welt. Denn wir l??gen, sagt die Wissenschaft, bis zu 200 Mal ??? am Tag! Aus H??flichkeit, aus Diplomatie oder weil es einfacher ist. Durch das Buch „Du sollst nicht l??gen!: Von einem, der auszog, ehrlich zu sein“ von J??rgen Schmieder??und seinem mitunter sehr schmerzhaften Selbstversuch, von Grund auf ehrlich zu sein, ist in einer breiteren ??ffentlichkeit??wieder eine Diskussion in Gang gekommen, die??seit jeher zu den bestimmenden Themen der Philosophie geh??ren. Ist die L??ge moralisch erlaubt? Wann ist sie vielleicht sogar geboten? In der Wissenschaft und Praxis der????ffentlichkeitsarbeit??d??rfte die Dikussion so alt sein wie die PR selbst.

Ich habe mich??diesem Thema des??fteren schon??gewidmet, ob im Zusammenhang mit Public Relations, Social Media Relations oder Propaganda. Auch in meinen Seminaren sorgt es immer f??r sehr lebhafte Diskussionen.??Dort gebe ich in Bezug auf das Kommunikationsmanagement grunds??tzlich zu bedenken: Wer gerade bewusstem ??ffentlichen L??gen das Wort redet,??sollte sich eines klar vor Augen halten: Diskrepanzen in der Kommunikation wie L??gen, Unehrlichkeit, Ungenauigkeit, T??uschungen und Inkonsistenzen k??nnen Misstrauen entstehen lassen und Images stark beeinflussen. Die m??glichen Wirkungen k??nnen sich im wirtschaftlichen Bereich z. B. auf das Kaufverhalten, im politischen Bereich auf das Wahlverhalten auswirken. Glaubw??rdigkeit ist von entscheidender Bedeutung f??r erfolgreiche Kommunikation, erst recht im Zeitalter von Social Media. Einer Kommunikationsarbeit, die auf Tricks statt auf Vertrauen setzt, ist in??nach meiner Erfahrung??kein langfristiger Erfolg beschieden. Dauerhafter Erfolg stellt sich nur ein, wenn man Glaubw??rdigkeit gewinnt und geweckte Erwartungen auch eingel??st werden.

Und dennoch:??L??ge ist ni??????????????????cht immer gleich L??ge. Peter Stiegnitz, Soziologe an der Universit??t Wien, etwa tritt??daf??r ein, ???dass wir die n??tzliche L??ge, dass hei??t die L??ge innerhalb der moralischen Grenze der Sch??digungsabsicht, dass wir damit leben, dass wir das bejahen und die L??ge jenseits der moralischen Grenze verneinen und meiden.“ Stiegnitz wei??, wovon er spricht, denn verdankt es einer L??ge, dass er??Nazi-Deutschland ??berlebt hat???.???

Und im heutigen Umgang mit Ereignissen und Tatsachen??erscheint??mir??die Unterscheidung von Wahrheit und Wahrhaftigkeit durch Immanuel Kant??(1724-1804) noch immer sehr hilfreich zu sein:

Da?? das, was jemand sich selbst oder einem andern
sagt, w a h r sei, daf??r kann er nicht jederzeit stehen
(denn er kann irren); daf??r aber kann und mu?? er stehen,
da?? sein Bekenntnis oder Gest??ndnis w a h r ha f t sei:
denn dessen ist er sich unmittelbar bewu??t.

Kant, I. (1983b , zuerst 1797): ??ber eine vermeintes Recht aus Menschenliebe zu l??gen. In: Werke in 10
Bd. Sonderausg. Bd. 7, 2. T., hrsg. v. W. Weischedel. Darmstadt, 635-643.

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