Nein! – Doch! – Ohh! – 83% der Presseinformationen unbrauchbar

Vor einigen Jahren konnte ich die Teilnehmer meiner Seminare mit „10 Tipps für richtig schlechte Pressearbeit“ immer wieder zum Nachdenken anregen. Eine Wiederveröffentlichung bei unternehmer.de im Oktober 2008 war nicht ganz unumstritten, wie die Kommentare zeigten. Dass diese bissigen „Tipps“ auch heute noch in vollem Umfang topaktuell sind, hätte ich gerade auch deshalb nicht mehr zu glauben gewagt. Als Chefredakteur eines Fachmagazins bin ich durch das Verhalten bestimmter Unternehmen und PR-Agenturen in jüngster Zeit zwar selbst schon ins Grübeln gekommen. Vor kurzem hat ein Erfahrungsbericht des absatzwirtschaft-Chefredakteurs Christoph Berdi meine Befürchtungen bestätigt.

Doch dann, am 23. September 2010, wurde auf dem Kommunikationskongress in Berlin die Studie des Journalistenzentrums Wirtschaft und Verwaltung (JWV), dem PR-Bildungsträger des Deutschen Journalistenverbandes sowie von kommunalen und Nonprofit-Spitzenverbänden, und der Technischen Universität Dortmund vorgestellt. Sie übertraf meine Befürchtungen bei weitem.

Meine Reaktion auf die Ergebnisse war dieser Situation nicht ganz unähnlich:

Wie kam es zu dieser Reaktion? Fast die Hälfte der Presseinformationen, die täglich bei Journalisten eingehen, passen nicht zu deren Ressort! Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie, in der fast 2.000 Pressestellen und rund 1.200 Redaktionen simultan unabhängig voneinander auf Fragen über Arbeitsmethoden und das gegenseitige Rollenverständnis geantwortet hatten. Wie die Studie ergab, erhalten die befragten Redakteure tagesaktueller Medien im Schnitt mehr als 70 Presseinformationen am Tag. Davon erreichen 44 Prozent von vornherein das falsche Ressort und insgesamt 83 Prozent sind nach Angaben der befragten Redaktionen nicht verwendbar. Der Aufwand, sie auszusortieren, variiert größtenteils zwischen bis zu einer Stunde (28%) und zwei Stunden (22%), in einigen Fällen (8%) sogar noch länger.

Das Fazit: Kenntnisse journalistischer Methoden und Arbeitsbedingungen sind immer noch nicht im Know-how vieler PR-Schaffenden verankert. Presseinformationen pointiert inhaltlich auszurichten und treffsicher zuzustellen, ist aber wichtiger als deren Frequenz und Streuung nach dem Gießkannenprinzip.

Ähnliche Probleme sehe ich bereits jetzt bei Social Media, wo sich viele Anbieter noch weg von einer einseitigen Beschallung der Empfänger hin zum Dialog bewegen müssen, damit die Chance auch wirklich genutzt und Aktionismus vermieden wird. Nein! – Doch! – Ohh!

 

 

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