Die Tweets des Jahres

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Pro Tag gibt es im Schnitt mehr als 500 Millionen Twitter-Einträge. Das sind 5.700 Tweets pro Sekunde! Da ist es gar nicht so einfach, die Tweets des Jahres 2014 zu bestimmen. Ich mach’s trotzdem.

#Oscars

Die Crème de la Crème Hollywoods, vereint auf einem Bild: Während der Oscar-Verleihung im März 2014 bricht Moderatorin Ellen DeGeneres mit einem Selfie den Twitter-Rekord – und sorgt dafür, dass der Kurznachrichtendienst kurzzeitig zusammenbricht.

Ellen DeGeneres vereint Jennifer Lawrence, Angelina Jolie, Kevin Spacey, Jared Leto, Meryl Streep, Julia Roberts, Lupita Nyong’o, Brad Pitt und Bradley Cooper in einem einzigen epischen Schnappschuss, den Cooper auslöst.

Mit über 2 Millionen Retweets binnen der ersten zwei Stunden avanciert DeGeneres‘ Tweet, der von ihrem Account @TheEllenShow abgefeuert wird, zur erfolgreichsten 140-Zeichen-Nachricht aller Zeiten.

 

#BringBackOurGirls

In Nigeria werden im Frühjahr 2014 mehr als 200 Mädchen von Terroristen der Gruppe Boko Haram verschleppt. Eine weltweite Kampagne fordert die Freilassung der Mädchen. Mit dem Hashtag #BringBackOurGirls fordern Twitter-Nutzer die Befreiung der entführten nigerianischen Schülerinnen. Begonnen hat alles am 23. April. Bei einem Unesco-Event in der nigerianischen Stadt Port Harcourt twittert der Anwalt Ibrahim M. Abdullahi über eine Rede der ehemaligen Bildungsministerin Obiageli Ezekwesili.

Zunächst findet Abdullahis Tweet keine allzugroße Resonanz. Ein Retweet hat jedoch eine große Wirkung: Ezekwesili selbst teilt den Tweet mit ihren Followern – und fortan bahnt sich die Botschaft ihren Weg durch die sozialen Netzwerke. Amerikas First Lady Michelle Obama, Hillary Clinton, Malala Yousafzai, Anne Hathaway, Cara Delevingne, Alicia Keys, Jessica Biel, Reese Witherspoon, Paula Abdul, Whoopi Goldberg und viele weitere schließen sich dem Proteststurm an.

Der Hashtag #BringBackOurGirls ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie viel Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt werden kann. Die Entführung blieb dadurch wochenlang in den Medien präsent. Natürlich reicht bloßer »Hashtag-Aktivismus« nicht aus. Die Mädchen befinden sich weiter in der Gewalt der Islamisten. Ein Hashtag allein kann diese Mädchen nicht zurückbringen. Aber er kann die Menschen dazu bringen, einen Missstand wahrzunehmen und – was nicht ausbleiben darf – dann auch Maßnahmen einzuleiten, zu organisieren und zu koordinieren.

 

#Weltmeister

Es sind Bilder, die allen im Gedächtnis bleiben werden: Bastian Schweinsteiger, der blutend am Spielfeldrand liegt, mit verarzteter Wunde wieder aufsteht und wie selbstverständlich weiterspielt. Mario Götze, der die Flanke von André Schürrle mit der Brust annimmt und das alles entscheidende Tor schießt. Der überwältigende Jubel am Brandenburger Tor, die absolute Glückseligkeit einer ganzen Nation.

Mehr als 672 Millionen Tweets zur Fußball-Weltmeisterschaft werden während des Turniers in Brasilien abgesetzt. Twitter schreibt: „Es ist die höchste Zahl, die wir je zu einem Event gemessen haben.“ Als Deutschland am 13. Juli Weltmeister wird, gibt es den nächsten Twitter-Rekord: 618 725 Tweets pro Minute gehen um die Welt.

 

#Spacie

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst forscht bis November 2014 für 165 Tage auf der Internationalen Raumstation (ISS). Über Twitter schickt er atemberaubende Bilder unseres Planeten zur Erde.

Wie sich unsere Wahrnehmung von Astronauten geändert hat: Tagesschau zum Start, Tagesschau nach der Landung, zwischendurch mal eine Liveschalte auf die Erde. Jetzt gibt es bei Weltraumeinsätzen Selfies bzw. Spacies.

Der amerikanische Astronaut TJ Creamer hat am 22. Januar 2010 erstmals live von der ISS getwittert, andere wie der Kanadier Chris Hadfield, der 2013 mit der Gitarre schwebend David Bowies ‚Space Oddity‘ gecovert hat, taten es ihm nach. Und zwar so erfolgreich, dass die europäische Weltraumbehörde ihrem zeitgleich in die Astronauten-Ausbildung startenden Jahrgang kurzerhand Social-Media-Schulungen verpasste.

Was für ein Jahr! Deutschland wird Fußball-Weltmeister, ein Deutscher fliegt ins All und bei der Oscar-Verleihung fotografieren sich zahlreiche Hollywood-Schauspieler für ein Mega-Selfie.

Ich bin sehr gespannt auf 2015.

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Tweet des Tages: #Bademantel

Bademantel

Udo Jürgens hat am 21. Dezember 2014 die Bühne des Lebens verlassen. Eine Nachricht, die sehr überraschend kam. Kollegen wie Bela B. von den Ärzten, Conchita Wurst, Thomas D und Udo Lindenberg, Comedians wie Oliver Pocher und Matze Knop, Sportler wie Sabine Lisicki und Maria Höfl-Riesch, Politiker wie Dorothee Bär und Christian Lindner – sie alle reagierten bestürzt auf Twitter.

Prominente wie Fans trauern um den Mann, der seine Zugaben stets im weißen Bademantel gab. Der Frotteemantel am Ende eines Konzerts war sein Markenzeichen. Mehr als 1600 soll er ins Publikum geworfen haben. Zwangläufig wird der große Künstler nun mit dem Hashtag #Bademantel geehrt.

 

Die Bademantel-Zugaben könne man ruhig „als Marotte“ bezeichnen, sagte Udo Jürgens in einem Interview zu seinem 80. Geburtstag:

Bei meinem ersten abendfüllenden Konzert, das war in Hamburg, gab es eine Viertel Stunde lang Sprechchöre. Ich habe mir in der Kabine den Bademantel übergeworfen und bin wieder auf die Bühne. Da hat mein Manager gesagt, das war toll, das behalten wir bei. Und heute ist es so, dass man von meinem Bademantel mehr spricht als von mir. (dpa-Interview 29. September 2014)

Udo Jürgens zu Ehren präsentierte WDR2 schon im April 2014 die Hall of Fame der weißen Bademäntel. Und zur Feier seines 80. Geburtstags marschierten rund 200 Fans im Frotteemantel durch die City der österreichischen Hauptstadt.

Der Badmantel hat ausgedient. Lieder wie „Griechischer Wein“, „Aber bitte mit Sahne“, „17 Jahr, blondes Haar“, „Ehrenwertes Haus“ und „Mit 66 Jahren“ bleiben.

Tweet des Tages: #HappyBirthdayRudi

Heute wäre Rudolf Wijbrand Kesselaar, besser bekannt als Rudi Carrell, 80 Jahre alt geworden. Sein Sohn Alexander hat ein sehr persönliches Foto seiner Familie getwittert: „Wir vermissen dich!“

„Hier sind acht Kandidaten am laufenden Band“, „Das wäre Ihr Preis gewesen“, „Lass Dich überraschen“, „Und hier ist ihr Herzblatt“ – Sätze wie diese, mit seinem typischen holländischen Akzent gesprochen, haben Rudi Carrell zur unvergessenen Größe der deutschen Fernsehgeschichte gemacht.

Wer mehr über Rudi wissen will: In einer Laudatio hat Weggefährte Alfred Biolek schon 2005 sehr humorvoll beschrieben, was die Legende ausmachte.

An die lustigsten Momente aus über 50 Jahren Fernsehgeschichte mit Rudi Carrell erinnern sich u.a. Dr. Alfred Biolek, Axel Beyer, Annemieke Kesselaar, Jochen Busse und Bernd Stelter in diesem Video:

 

Das letzte Wort hat Rudi:

Früher hieß es, macht das Fernsehen blöd? Heute machen Blöde Fernsehen.

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Tweet des Tages: #HelpRobbie

Die Studentin Dominique Harrison-Bentzen hatte kein Geld für ein Taxi, da bot ihr ein Obdachloser seine letzten drei Pfund an. Sie habe das Geld nicht genommen, doch sei berührt gewesen von dieser Geste „eines Mannes, der jeden Tag mit Ignoranz konfrontiert ist“, schreibt sie.

Die Studentin erfuhr, dass der Mann namens Robbie, der seit sieben Monaten in der nordenglischen Stadt Preston auf der Straße lebt, bereits früher durch gute Taten auffiel. „Je mehr ich über ihn sprach, desto mehr erfuhr ich über ihn, etwa, dass er Passanten verlorene Brieftaschen zurückgegeben hat, dass er Menschen einen Schal angeboten hat, wenn ihnen kalt war.“

Die 22-Jährige beschloss, dem Mann seine Hilfsbereitschaft auf ihre Weise zu danken – und startete eine Fundraising-Kampagne für ihren neuen Freund. Auf Twitter und Facebook richtete sie die Accounts @Help_Robbie und helprobbiepreston ein.

help robbie

Das war der Anfang einer rührenden Geschichte, die in Großbritannien (The Mirror, BBC, The Independent, The Telegraph) und jetzt auch bei uns (Tagesschau, Focus, DIE WELT) für Schlagzeilen sorgt.

Die Aktion hatte sich rasend schnell im Social Web ausgebreitet. Auf Twitter drückten weltweit Menschen mit dem Hahstag #helprobbie ihre Sympathie und Unterstützung aus.

Mittlerweile hat die Studentin mehr als 20.000 Pfund (25. 221 Euro) gesammelt.

Schade nur: Wegen der ungewöhnlich hohen Zahl an Besuchern ist die Seite zur Zeit nur noch schwer zu erreichen.

 

 

 

Tweet des Tages: Licht aus!

 

 

Ende einer TV-Ära, das Lagerfeuer ist endgültig erloschen. „Wetten, dass ..?“, Deutschlands letztes Familien-Lagerfeuer, wärmte ganze Nationen und erhitzte Kritiker von Anfang an, offline und später auch online, vor allem auf Twitter, wo sich das Live-Kommentieren der Sendung zu einem Ritual entwickelte.

Die 215. und letzte Ausgabe des ZDF-Unterhaltungsklassikers schalteten mit allein 9,27 Millionen Menschen in Deutschland noch einmal fast doppelt so viele Zuschauer ein wie bei den vergangenen Ausgaben. So nimmt es also nicht wunder, dass vor allem die letzte Sendung fleißig kommentiert wurde.

Weitere Zuschauerreaktionen auf Twitter hat – thematisch sortiert – unter anderem faz.net gesammelt.

Die Stars sahen die letzte Sendung sichtlich positiver. Otto Waalkes twitterte ein Backstage-Bild von Probe seines Abschiedsliedes mit Bully:

Bevor die Lichter bei „Wetten, dass…?“ endgültig erloschen, ließ Bully noch mit einem Handy ein Erinnerungsfoto vom berühmten Sofa machen und postete es auf Facebook.

Und auch der offizielle Twitter-Kanal von Europas größter TV-Show konnte sich zum Schluss noch einmal freuen.

Still getrauert haben die Vorgänger von Markus Lanz: Showerfinder Frank Elstner, der das einstige Flaggschiff 1981 aus der Taufe hob, verzichtete auf seine Präsenz in der letzten Show ebenso wie Thomas Gottschalk, mit dem die Sendung ihre besten Zeiten erlebte und der vor exakt drei Jahren abtrat. Absolute Stille auch im Twitter-Account von Frank Elstner während der letzten Sendung.

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Der Erfinder von „Wetten, dass..?“ reagierte bereits nach Bekanntwerden des Aus im April 2014 sichtlich betroffen auf die Einstellung seines Werks – zugleich aber mit einem Fingerzeig in die Zukunft:

 

 

 

 

 

Tweet des Tages: Dein Freund und Follower

Die Berliner Polizei hat eine neue Live-Twitter-Aktion gestartet: Beamte aus zwei Wachen twittern fast jeden Einsatz über den Account @PolizeiBerlin_E. Diesen nutzt die Polizei, neben ihrem Haupt-Account @polizeiberlin, normalerweise nur während Großeinsätzen. Die jüngste Twitter-Aktion hat am 12. Dezember 2014 um 12 Uhr mittags begonnen und dauert 12 Stunden. Zu der Aktion gibt es auch einen eigenen Hashtag: #12hWache

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Der erste Tweet: „Mit Blaulicht geht’s los. Jemand bedroht eine Frau.“ Darauf folgte auch Kurioses wie diese Meldung: „Ein Bürger kommt auf die #Wache2 und fragt nach, ob nach ihm gefahndet wird. Wir können ihn beruhigen: -nein-.“ Auf Trab hielt die Polizei sogar das entlaufene Kamel „Salima“. Am Nachmittag meldeten die Twitter-Polizisten einen Fahndungserfolg. Das Kamel ist in Polizeigewahrsam. Die Beamten haben das Tier eingeholt.

Weitere Ziele: Prävention und Recruiting

Der Beschmutzer-Trick, der Rempel-Trick und der Geldwechsel-Trick sind die bekanntesten Maschen der Taschendiebe. Neben einem Einblick in die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten wurden zur Abrundung auch Präventionshinweise getwittert.

Bereits im Juni 2014 hatten die Beamten der Berliner Polizei eine ganz besondere Schicht zu absolvieren: sie twitterten 24 Stunden lang unter dem Hashtag #24hPolizei über jeden eingehenden Notrufeinsatz.

Neben der besonderen Form der Kommunikation auf Twitter als neuer Polizeifunk oder direkter Begleiter auf Streife geht es der Berliner Polizei auch darum, junge Leute für die Polizeiarbeit zu begeistern.

„Durch die Nutzung von Twitter können wir ganz direkt kommunizieren. Wir erreichen junge Menschen, die die klassischen Medien nur noch wenig nutzen. Durch unsere Aktion #24hpolizei haben viele Menschen zum ersten Mal mitbekommen, was die Polizei in dieser Stadt alles macht. Danach hatten wir 10.000 Bewerber für 450 Stellen, das war ein wahnsinniger Erfolg.”

Polizeipräsident Klaus Kandt

 

Künftig sollen ausgewählte Tweets auch in englischer und türkischer Sprache veröffentlicht werden. Dafür nutzte die Polizei Berlin am Aktionstag einen 3. Twitter Account für mehrsprachige Tweets mit internationalem Bezug. Die türkischen Tweets verantwortet Kriminaloberkommissarin Yasemin Bas. Geplant ist auch, über @PolizeiBerlin_I das Champions League Finale in Berlin 2015 in der Landessprache des oder der internationalen Finalisten zu begleiten.

 

Sag es mit Bildern

Instagram wird immer beliebter. Jede Minute (!) melden sich 257 neue User bei der Foto- und Video-Sharing-Plattform an. In den letzten Monaten ist die Facebook-Tochter so stark gewachsen, dass sie sogar Twitter überholt hat. Alleine in den letzten neun Monaten haben sich 100 Millionen neue User angemeldet.

instragram

„Was vor vier Jahren als Traum von zwei Freunden begann, hat sich zu einer Community entwickelt, die jeden Tag mehr als 70 Millionen Fotos und Videos teilt“, schreibt Instagram-Mitbegründer und CEO Kevin Systrom.

Instagram hat heute 300 Millionen registrierte User. Twitter hat 284 Millionen. Von Facebook sind allerdings beide noch weit entfernt.  Da sind 1,35 Milliarden Nutzer registriert, die monatlich die Seite besuchen.

Wer ist von euch ist noch auf Instagram? Mich findet Ihr hier: @thomas_mavridis