¡Feliz Día de los Muertos!

Keine Trauerveranstaltung, kein Grusel-Event, sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten: Der Día de los Muertos (auch Día de Muertos, „Tag der Toten“) ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zum Ende der Erntezeit aus dem Jenseits zu Besuch. Gemeinsam mit den Lebenden feiern sie ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen.

Schon Mitte Oktober beginnen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten. Gefeiert wird in den Tagen vom 31. Oktober bis Allerseelen (2. November). In den Straßen und Geschäften werden die Calaveras, Schädel und Skelette aus Pappmaché oder Gips, in allen möglichen Alltagssituationen dargestellt. Überall sind Abbildungen der berühmten Calavera Catrina, Mexikos Grand Dame des Todes, zu sehen.

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La Calavera Catrina, Museo de la Ciudad, Leon, Guanajuato, Mexico. © Tomas Castelazo

Konditoreien produzieren die Calaveras de Dulce, Totenschädel aus Zucker oder Schokolade. Das Pan de Muerto, das Totenbrot, ist ein weitere beliebte Köstlichkeit in diesen Tagen.

Es ist eine bunt-morbide Faszination, die der Día de los Muertos ausstrahlt. Auch Wohnungen und Friedhöfe werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. An den Eingangspforten der Häuser werden Laternen aufgehängt. Die leuchtend orangefarbene Cempasúchil, oder auch Flor de Muertos („Blume der Toten“) eine Tagetes-Art, wird zusammen mit Ringelblumen und gelben Chrysanthemen als Empfangsteppich und Wegweiser für die Verstorbenen vom Haus bis zum Friedhof ausgelegt, damit diese sicher zum Familienfest finden.

In der „Nacht des Hundes“ zum Fest Allerheiligen wird die Ankunft der verstorbenen Kinder erwartet, der Angelitos, der kleinen Engel. Nachdem in der Nacht auf Allerseelen die verstorbenen Erwachsenen ebenfalls im Haus empfangen wurden, findet der Abschied von den Toten auf den Friedhöfen statt. Dort werden mitgebrachte Speisen gegessen, es wird getrunken, musiziert und getanzt. Um Mitternacht ist für die Verstorbenen die Zeit gekommen, bis zum nächsten Jahr wieder ins Jenseits zurückzukehren.

Das Brauchtum zum Tag der Toten wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt und 2008 offiziell in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen. Einen weltweiten Popularitätsschub erhielt das Fest durch den neuesten 007-Film SPECTRE (2015). James Bond legt in einem wieder einmal grandiosen Vorspann am Tag der Toten Mexico City in Schutt und Asche.

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Der Día de los Muertos ist mehr ist als ein bizarres, fröhliches, buntes Spektakel, das man hören, sehen, schmecken, riechen und fühlen kann. Für mich ist es faszinierend, wie in der mexikanischen Kultur mit dem Thema Tod umgegangen wird. Schon in vorspanischer Zeit gewährten die Azteken sogar ihren Feinden einen Ort, an den die Geister zurückkehren konnten. Auf einem Tzompantli wurden die Schädel als Gefäß für die Geister ordentlich aufgereiht. Durch spanische Missionare, die vergeblich versucht hatten, das Fest abzuschaffen, wurden die Feiern mit den christlichen Feiertagen Allerseelen und Allerheiligen letztendlich zusammengelegt. Parallelen zwischen der christlichen Vorstellung vom Tod und dem aztekischen Glauben ermöglichten diese Verschmelzung. Schon die Azteken sahen den Tod nicht als Ende, sondern als Anfang neuen Lebens; eine Übergangsphase zu einer anderen Daseinsform. In Vermischung mit dem christlichen Glauben entstand ein einzigartiges kulturelles Fest, das die Bräuche des vorspanischen Mexiko   weiterleben lässt.

Wer ebenso wie ich fasziniert ist vom Día de los Muertos, dem sei dieser animierte Kurzfilm von Ashley Graham, Kate Reynolds und Lindsey St. Pierre noch empfohlen, der am Ringling College of Art and Design in Florida enstand. Der Film handelt von einem Mädchen und seiner verstorbenen Mutter.