¡Feliz Día de los Muertos!

Keine Trauerveranstaltung, kein Grusel-Event, sondern ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten: Der Día de los Muertos (auch Día de Muertos, „Tag der Toten“) ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zum Ende der Erntezeit aus dem Jenseits zu Besuch. Gemeinsam mit den Lebenden feiern sie ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen.

Schon Mitte Oktober beginnen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten. Gefeiert wird in den Tagen vom 31. Oktober bis Allerseelen (2. November). In den Straßen und Geschäften werden die Calaveras, Schädel und Skelette aus Pappmaché oder Gips, in allen möglichen Alltagssituationen dargestellt. Überall sind Abbildungen der berühmten Calavera Catrina, Mexikos Grand Dame des Todes, zu sehen.

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La Calavera Catrina, Museo de la Ciudad, Leon, Guanajuato, Mexico. © Tomas Castelazo

Konditoreien produzieren die Calaveras de Dulce, Totenschädel aus Zucker oder Schokolade. Das Pan de Muerto, das Totenbrot, ist ein weitere beliebte Köstlichkeit in diesen Tagen.

Es ist eine bunt-morbide Faszination, die der Día de los Muertos ausstrahlt. Auch Wohnungen und Friedhöfe werden prachtvoll mit Blumen, Kerzen und bunten Todessymbolen aller Art dekoriert. An den Eingangspforten der Häuser werden Laternen aufgehängt. Die leuchtend orangefarbene Cempasúchil, oder auch Flor de Muertos („Blume der Toten“) eine Tagetes-Art, wird zusammen mit Ringelblumen und gelben Chrysanthemen als Empfangsteppich und Wegweiser für die Verstorbenen vom Haus bis zum Friedhof ausgelegt, damit diese sicher zum Familienfest finden.

In der „Nacht des Hundes“ zum Fest Allerheiligen wird die Ankunft der verstorbenen Kinder erwartet, der Angelitos, der kleinen Engel. Nachdem in der Nacht auf Allerseelen die verstorbenen Erwachsenen ebenfalls im Haus empfangen wurden, findet der Abschied von den Toten auf den Friedhöfen statt. Dort werden mitgebrachte Speisen gegessen, es wird getrunken, musiziert und getanzt. Um Mitternacht ist für die Verstorbenen die Zeit gekommen, bis zum nächsten Jahr wieder ins Jenseits zurückzukehren.

Das Brauchtum zum Tag der Toten wurde 2003 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt und 2008 offiziell in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit übernommen. Einen weltweiten Popularitätsschub erhielt das Fest durch den neuesten 007-Film SPECTRE (2015). James Bond legt in einem wieder einmal grandiosen Vorspann am Tag der Toten Mexico City in Schutt und Asche.

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Der Día de los Muertos ist mehr ist als ein bizarres, fröhliches, buntes Spektakel, das man hören, sehen, schmecken, riechen und fühlen kann. Für mich ist es faszinierend, wie in der mexikanischen Kultur mit dem Thema Tod umgegangen wird. Schon in vorspanischer Zeit gewährten die Azteken sogar ihren Feinden einen Ort, an den die Geister zurückkehren konnten. Auf einem Tzompantli wurden die Schädel als Gefäß für die Geister ordentlich aufgereiht. Durch spanische Missionare, die vergeblich versucht hatten, das Fest abzuschaffen, wurden die Feiern mit den christlichen Feiertagen Allerseelen und Allerheiligen letztendlich zusammengelegt. Parallelen zwischen der christlichen Vorstellung vom Tod und dem aztekischen Glauben ermöglichten diese Verschmelzung. Schon die Azteken sahen den Tod nicht als Ende, sondern als Anfang neuen Lebens; eine Übergangsphase zu einer anderen Daseinsform. In Vermischung mit dem christlichen Glauben entstand ein einzigartiges kulturelles Fest, das die Bräuche des vorspanischen Mexiko   weiterleben lässt.

Wer ebenso wie ich fasziniert ist vom Día de los Muertos, dem sei dieser animierte Kurzfilm von Ashley Graham, Kate Reynolds und Lindsey St. Pierre noch empfohlen, der am Ringling College of Art and Design in Florida enstand. Der Film handelt von einem Mädchen und seiner verstorbenen Mutter.

 

Packt die Krise an ihrer Wurzel

Viele der Flüchtlinge, die sich ihren Weg nach Europa bahnen, kommen aus Syrien. Wie der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura betont, verlässt kein Syrer freiwillig sein Land. „Nach fünf Jahren, in denen wir alle erfolglos in so vielen Konferenzen nach einem Friedensplan gesucht haben, haben sie keinerlei Hoffnung mehr, dass es für diesen Konflikt eine Lösung gibt“, kommentiert de Mistura. Menschen würden von der syrischen Luftwaffe mit Fassbomben beworfen, es gebe Raketenangriffe der Opposition und oft kein Wasser und keinen Strom. „Der einzige, der derzeit als Gewinner gesehen wird, ist der ‚Islamische Staat‘ und damit der Terror“, sagt de Mistura. 

Seit Beginn des Bürgerkriegs vor vier Jahren starben rund 250.000 Menschen, etwa elf Millionen wurden vertrieben. Vor allem die Terrormiliz „Islamischer Staat“ und die mit al-Qaida verbündete Nusra-Front sind auf dem Vormarsch. Mit jedem Tag festigt der IS in seinem „Kalifat“ in großen Gebieten Syriens und des Irak seine Willkürherrschaft. Diese besteht einerseits aus sozialer Versorgung, andererseits aus der Ermordung von „Ungläubigen“ und angeblichen Gegnern. Zu Tausenden wurden nach Opferberichten jesidische Mädchen und Frauen als Geiseln genommen, die den IS-Kriegern als Sexsklavinnen zu dienen haben und nach Preislisten „verkauft“ werden.

Wäre eine Lösung im UN-Sicherheitsrat nicht seit Jahren blockiert, hätten solche Kriegsverbrechen ebenso verhindert werden können wie die Flüchtlingskatastrophe und die fortlaufende Zerstörung von Kulturgütern.

  

Seit Beginn des Konflikts im Jahr 2011 hat Russland zusammen mit China vier Mal eine Syrien-Resolution per Veto zu Fall gebracht. Zuletzt haben Russland und China Ende Mai 2015 im UN-Sicherheitsrat verhindert, dass der Internationale Strafgerichtshof die Menschenrechtsverletzungen im syrischen Bürgerkrieg untersuchen kann. Diesem Entwurf hatten 13 der 15 Staaten im Sicherheitsrat zugestimmt. Zudem wurde die Resolution von etwa 60 Staaten, unter ihnen auch Deutschland, unterstützt. Weil Russland und China aber wie die USA, Großbritannien und Frankreich ständige Mitglieder im Sicherheitsrat sind, können sie jede Mehrheit blockieren. 

Der Iran und Saudi-Arabien heizen den Konflikt noch immer an, indem sie das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad beziehungsweise die Opposition unterstützen. Washington, London, Paris und Moskau verfolgen zwar dasselbe Ziel: Sie wollen die Terrororganisation IS bekämpfen, die große Teile Nord- und Ostsyriens kontrolliert. Doch während die USA, Großbritannien und Paris dabei auf Luftschläge und die Unterstützung gemäßigter Rebellengruppen setzen, ist nach russischer Lesart die Führung in Damaskus die einzige Kraft, die den Vormarsch der Dschihadisten stoppen kann.

Mit einem Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft könnte die Flüchtlingskrise endlich an ihrer Wurzel bekämpft werden. Es reicht nicht aus, die verheerenden Symptome dieser Krise zu behandeln und die Fluchtursachen zu ignorieren.
  
Den Einsatz militärischer Mittel muss die Politik sehr sorgfältig abwägen. Bomben allein schaffen keinen Frieden. Der Versuch, in Kriegsgebieten eine funktionierende Gesellschaft zu errichten, ist häufig misslungen. Aber was ist die Alternative? Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair schrieb dazu bereits 2013 in The Sunday Times:

Nach den langen und schmerzlichen Militärengagements im Irak und in Afghanistan verstehe ich jeden Versuch, von den Unruhen fernzubleiben, zu beobachten, aber nicht einzugreifen, den Ton zu verschärfen, aber nicht an dem harten, manchmal sogar rauen Geschäft teilzuhaben, die Wirklichkeit vor Ort zu verändern. Aber wir alle müssen die Konsequenzen verstehen, die folgen, wenn wir die Hände in den Schoß legen, statt mit ihnen zu arbeiten.

Der internationalen Gemeinschaft fällt nach dem Konzept der Schutzverantwortung („Responsibility to Protect„) die Aufgabe zu, Maßnahmen zu ergreifen, um Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnische Säuberung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern. Wenn Moskau und Peking sich im UN-Sicherheitsrat nicht weiter querstellen würden und Russland seinem Verbündeten, dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, endlich Zuflucht gewährte, wäre Syrien, den Flüchtlingen und der Welt schon sehr geholfen.
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Tweet des Tages: #PlutoFlyby

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Die Raumfahrt hat einen neuen Meilenstein gesetzt: Nach einer Reise von mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern hat die Raumsonde „New Horizons“ den riskanten Vorbeiflug am Zwergplaneten Pluto geschafft.

Schon nach kurzer Zeit verbreiteten sich auf Twitter auch dazu wieder kreative Collagen mit dem Hashtag #PlutoFlyby.

Das sind meine Favoriten:

 

 

 

 

Der Emoji-Code

smiley_laughingWer die Hand beim Victory-Zeichen verkehrt herum hält, kann in Großbritannien, aber auch auf Malta oder in Australien Probleme bekommen. Nicht anders verhält es sich bei den uns lieb gewordenen Emojis. Wer weiß schon, was jedes einzelne Symbol auf der Tastur – zumindest in seiner ursprünglichen Bedeutung – aussagt?

Emojis (jap. 絵文字 bzw. えもじ) haben ihre Wurzeln in Japan. Dort gehörten die Bildschriftzeichen schon Ende der 1990er Jahre zur Grundausstattung der Handys – damals allerdings noch viel kleiner und einfarbig. Heute sind Emojis weltweit verfügbar, auch wenn sie auf Apple- und Android-Geräten leicht unterschiedlich aussehen. 

Das bedeuten diese Emojis wirklich

 

 

 

 

 

 

Europa ist mehr

Die Griechenland-Krise, Probleme in der Außen- und Sicherheitspolitik, Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik,  Schwierigkeiten in der Energie- und Atompolitik sowie der uneinheitliche Daten- und Verbraucherschutz lassen die EU wie ein Zusammenschluss von Problemzonen wirken. Die wichtigen Errungenschaften der EU und die großen Zukunftsthemen wie die Digitalisierung bleiben auf der Strecke.

Komplexe, von Beamten ausgearbeitete Vertragswerke haben Europa in der Öffentlichkeit stark auf eine reine Wirtschaftsgemeinschaft reduziert. Diejenigen, die wichtige Entscheidungen im Kampf gegen die Schuldenkrise treffen, werden als Technokratenclub wahrgenommen. Das europäische Projekt durchlebt eine Vertrauenskrise. Es drohen neue Spaltungen. Alte Ressentiments und Vorurteile sind zurückgekehrt.

Mit dem Erstarken Chinas und Indiens verlieren die einzelnen Staaten Europas weiter an Einfluss. Zugleich müssen wir Europäer uns in einer globalen Welt in einem Wettbewerb der Wirtschaften, Ideen, Bildungssysteme und Gesellschaftsmodelle messen. Dabei werden wir nicht auf Europa verzichten können, um unsere Interessen und Werte zu wahren. Ein kraftvolles Europa ist kein Selbstzweck. Europa dient der Selbstbehauptung der über viele Jahrhunderte gewachsenen Kultur, die uns verbindet.

Die finanziellen, politischen und menschlichen Kosten für das Auseinanderbrechen Europas wären katastrophal. Sie stehen in keinem Verhältnis zu den Anstrengungen, die uns Europa in der Krise abverlangt. Dabei hat übrigens kein Mitgliedsland mehr zu verlieren als Deutschland, das mit seiner Wirtschaftskraft und seiner geografischen Lage besonders auf die europäische Einigung angewiesen ist.

Auch wenn die Wirtschaft in der EU selbstverständlich eine wichtige Rolle spielt und durch den europäischen Binnenmarkt integriert ist, darf nicht vergessen werden, dass die EU in erster Linie eine Wertegemeinschaft ist.

Heribert Prantl schrieb unter dem Titel „Heimat Europa“ in der Süddeutschen Zeitung schon 2011:

Europa braucht nicht nur Kommissare und EU-Beamte, Europa braucht mehr als nur Richtlinien, mehr als Euro- und Griechenland-Rettungspakete. Europa braucht nicht nur den Euro. Es braucht das Vertrauen der Menschen. In Europa wohnen nicht Euronen, sondern Bürgerinnen und Bürger.

Die Europäische Union (EU), also der Zusammenschluss von derzeit 28 europäischen Staaten, entstand aus dem Bündnis von sechs westeuropäischen Staaten in den 1950er Jahren, um den Frieden unter den Mitgliedstaaten zu sichern. Die EU ist die Konsequenz der europäischen Staaten aus dem Zweiten Weltkrieg und war auf der Basis gemeinsamer Werte immer auf das ganze Europa angelegt.

Bereits der Vertrag zur Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) von 1957 enthielt mit dem in der Präambel vereinbarten Ziel „Frieden und Freiheit zu wahren und zu festigen“ einen Hinweis auf die gemeinsamen Werte und Grundüberzeugungen der damaligen sechs Gründungsstaaten. Gleichzeitig wurden die anderen Völker Europas aufgefordert, sich zu dem gleichen hohen Ziel zu bekennen.

Zu den Zielen der Gründungsväter gehörte von vornherein die Abschaffung der Grenzen zwischen den beteiligten Staaten. Die Grenzöffnung führte uns die Vorteile des Einigungsprozesses auch besonders deutlich vor Augen. Die Schengen-Zusammenarbeit gilt im Hinblick auf den „Europäischen Raum ohne Grenzen“ und auf mögliche institutionelle Weiterentwicklungen in der EU als ein Erfolgsmodell. Wir bewegen uns ohne Passkontrollen – von Italien bis Norwegen und von Portugal bis Polen. Mit Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz gehören auch vier Nicht-EU-Mitglieder dazu.

Von besonderer Bedeutung ist auch die Ausarbeitung der Grundrechte-Charta der Europäischen Union, die mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon im Dezember 2009 rechtsverbindlich wurde. Die in dieser Charta verankerten Rechte beruhen auf den Verfassungstraditionen der EU-Staaten und auch der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes. Sie sind in sechs Kapitel unterteilt: Würde des Menschen, Freiheiten, Gleichheit, Solidarität, Bürgerrechte und justizielle Rechte.

Zentrale Botschaften der Charta sind: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ in Artikel 1 sowie die Aussage in Artikel 2, dass niemand zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden darf. Zu den Gemeinsamkeiten gehört auch die Bestimmung, wonach jeder Mensch in der EU das Recht auf Bildung, das Recht auf Zugang zur beruflichen Aus- und Weiterbildung und das Recht auf Zugang zu einem unentgeltlichen Arbeitsvermittlungsdienst hat.

In der Charta der Grundrechte wird die Gleichbehandlung aller Menschen, der Anspruch auf eine Begrenzung der Höchstarbeitszeit, auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten, auf bezahlten Jahresurlaub, auf bezahlten Mutterschaftsurlaub sowie auf Zugang zur Gesundheitsvorsorge und auf ärztliche Versorgung begründet.

 

Diese Errungenschaften einer Friedens- und Wertegemeinschaft werden immer noch nicht ausreichend kommuniziert und sogar kleingeredet.

Für unser Zusammengehörigkeitsgefühl dürfen wir auch die Symbole nicht unterschätzen. Die wichtigsten sind die blaue Flagge mit einem Kreis von zwölf goldenen Sternen auf blauem Hintergrund, die Hymne aus der „Ode an die Freude“ der Neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven und dem Text von Friedrich Schiller, der Leitspruch „In Vielfalt geeint„, natürlich auch der Euro als Währung und der Europatag am 9. Mai.

Jetzt wird es für Europa darum gehen, Vertrauen zurückzugewinnen. Damit verbunden ist eine Debatte über die Aufgaben und Kompetenzen der EU. Im Wahlkampf zur Europawahl 2014 wurde immer wieder sehr vereinfachend die Frage gestellt, ob sich die EU wirklich um Duschköpfe kümmern müsse. Die Frage ist noch nicht beantwortet.

A Tribute to the #QueeninGermany 

Königin Elizabeth II. und Prinz Philip waren zu Gast in Deutschland. Nach 1965, 1978, 1992 und 2004 war dies der fünfte Staatsbesuch der britischen Monarchin. Weitere Besuche fanden im Jahr 1987 aus Anlass des 750. Jubiläums der Stadtgründung Berlins und im Jahr 2000 zur Eröffnung der neuen britischen Botschaft statt.
https://twitter.com/thmav/status/613628343267819520

Eine ältere Frau mit weißen Locken und Hut, die freundlich winkt: Solche Bilder sah man in den letzten Tagen wieder häufiger. Glamour, Hüte und freundliches Winken waren eine Seite des Besuchs, ernste Mahnungen und stilles Gedenken eine andere.

Die deutsch-britischen Beziehungen sind sehr eng und vielfältig. Beide Länder verbindet eine aktive Rolle in der Europäischen Union, der Nato, den Vereinten Nationen, der G7, der G20 und anderen internationalen Gremien.

Wer der Queen bei ihren vielen Gesprächen, Begrüßungen und ihrer Rede zusah, bekam Respekt, wie die 89-Jährige das stramme Programm über die vollgepackten Tage samt Abstecher nach Frankfurt am Main meisterte.

Beeindruckend ist die Lebensleistung einer Frau, die im zarten Alter von 21 Jahren via Rundfunkrede dem Commonwealth-Volk versprach, ihm so lange zu dienen, bis sie diese Erde verlässt.

Elizabeth II. ist die Frau des 20., ja sogar des beginnenden 21. Jahrhunderts. Bislang hält Königin Victoria den Rekord mit ihrer Regentschaft von 1837 bis 1901. Im September 2015 schon löst Elizabeth ihre Ur-Urgroßmutter als die am längsten dienende Monarchin aller Zeiten ab.

Elizabeth II. steht für die Emanzipation der Frau. Die Queen erwarb in der Vorbereitung auf ihre künftige Rolle viele traditionell als „männlich“ wahrgenommene Fähigkeiten: Sie ritt, jagte und fischte; sie lernte im Krieg bei der Frauenabteilung des britischen Heeres, Autos zu reparieren – und sie fuhr selbst wie der Henker. Die gekrönte Königin war eine in Vollzeit berufstätige Mutter.

Als ihr Vater George VI. starb und sie Königin wurde, war Elizabeth Alexandra Mary Windsor gerade einmal 25 Jahre alt. Schon als Jugendliche arbeitete sich „Lilibeth“, wie sie für Eltern und Freunde hieß, systematisch durch die Klassiker der englischen Literatur, durch historische Werke und Abhandlungen zur Verfassungstheorie.

 
Pietro Annigoni: Queen Elizabeth II. (1954-5)

„Wenn, und dafür beten viele von Herzen, die Thronbesteigung Elizabeths II tatsächlich aufräumt mit den letzten Vorurteilen gegen Frauen in Spitzenpositionen“, schrieb die junge konservative Abgeordnete Margaret Thatcher 1952 in einem Zeitungskommentar, „dann wird für Frauen wahrhaftig ein neues Zeitalter anbrechen.“

Die Ausstrahlung der 89-jährigen Chefin der ‚Firma Windsor‘ ist wirkungsmächtig. Sie sitzt seit mehr als 63 Jahren unaufgeregt auf dem Thron und steht nicht nur in den Augen ihrer Untertanen als Symbol für Tugenden wie Pflichtbewusstsein und Hingabe, Disziplin und Standhaftigkeit – und Lernfähigkeit. Ja, die Queen erwies sich als lernfähig: Nach dem Tod von Prinzessin Diana verhinderte sie mit einer Fernsehansprache aus dem Buckingham Palast buchstäblich in letzter Minute einen für sie irreparablen Schaden.

Noch heute nimmt sie sich drei Stunden täglich, um die „Red Boxes“, Aktenkoffer mit Regierungsunterlagen der Downing Street, durchzuarbeiten, wie der BBC-Journalist Andrew Marr in seinem Buch The Diamond Queen festhält. Jede Woche einmal lässt sich die Monarchin vom Premierminister beim Vier-Augen-Termin über die aktuelle Lage unterrichten, nie soll sie unvorbereitet sein, wenn der Regierungschef kommt.

Harte Arbeit gehört nach wie vor dazu. Wer den täglichen Hofbericht liest, das Court Circular, kann nur staunen über den Fleiß der Royals. Hier ein Gottesdienst, dort ein Empfang. Ehrung der Kriegstoten, Weihnachtsansprache, Besuch der Gartenschau, heute ein Walkabout, morgen ein Staatsbankett.

Thomas Kielinger zählte für sein Buch 444 öffentliche Auftritte der Queen im Jahr 2010, Prinz Philip kam auf 356. Das war im zarten Alter von 84 Jahren, Philip war 89. Jetzt, fünf Jahre später, beschränkt sich die Königin auf etwa 350 Auftritte.

Auch beim fünften Staatsbesuch in Deutschland war der Tag der Queen und ihres 94-jährigen Ehemanns, Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, von morgens bis spät abends in Fünf-Minuten-Schritten durchgeplant.

Die Queen ist eine lebende Legende und längst auch ein Social-Media-Star. ‚Die Firma‘ geht mit der Zeit, ist auf Facebook, Instagram, YouTube, Flickr und Twitter vertreten.

Der bemerkenswerte Auftritt der Queen als Bond-Girl hat mich zum Fan Ihrer Majestät gemacht. Die Queen hat für die Olympia-Eröffnung 2012 in London in einem kurzen Einspieler wunderbar unterhaltsame Selbstironie gezeigt. Das war für mich der spektakulärste Höhepunkt.

God Save the Queen!

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Showdown!

Im Alten Testament wird vom Kampf Davids gegen den Philister Goliath erzählt. In der Ilias trifft sich der trojanische Königssohn Paris mit dem griechischen König Menelaos zum Zweikampf um die schöne Helena. – Showdown!

Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren vor allem Offiziere, Adlige und Dandys unter Handlungszwang, wenn sie in ehrenrührige Affären verstrickt waren, Beleidigungen aussprachen, Schulden nicht bezahlten und dergleichen mehr. Wegen ihres dramatischen und schicksalsträchtigen Charakters sind Duelle ein beliebtes literarisches Motiv.

Cineastische Showdowns gibt es in diversen Genres, vor allem im Western. Unvergesslich bleibt mir der Showdown des Western-Klassikers High Noon (Zwölf Uhr mittags) von Fred Zinnemann: In der gleißenden Mittagssonne läuft Marshal Will Kane (gespielt von Gary Cooper) einsam, aber mit Entschlossenheit durch die menschenleere Stadt, um seinem Todfeind zu begegnen.

 

Zwölf Uhr mittags kommt als Westernfilm daher, ist aber ein zeitloses psychologisches Drama. Die Spannung steigt, je mehr Zeit verstreicht, was immer wieder die vielen Uhren in Nahaufnahmen verdeutlichen, wobei das Pendel kurz vor zwölf ganz, ganz langsam schwingt. Dadurch wird die Spannung vor dem legendären Showdown intensiviert.

Heute meinen wir mit Showdown allgemein einen abschließenden, entscheidenden Machtkampf zwischen zwei oder mehreren Kontrahenten. Ursprünglich war mit Showdown das Aufdecken der Karten beim Poker (engl. to show down) gemeint. In diesem Sinn umschreibt der Begriff heute auch das Aufdecken der wahren Verhältnisse.